Porno überall?


Klar, oft könnte man denken, dass mit dem Feminismus, das wäre jetzt klar: Wir sind alle emanzipiert, haben tolle Jobs, gleichberechtigte Beziehungen und können über alles reden. Manchmal verdienen wir sogar genauso viel wie Männer. Und vor allem haben wir ein gutes Verhältnis zu unseren Körpern und unserer Sexualität entwickelt. Oder denken wir das nur?

Iris Radisch hinterfragt in der ZEIT die neue ‘Softpornoästhetik’:

Ein Triumph der männlichen Arbeit am weiblichen Bild? Oder Zeichen eines entspannten Selbstbewusstseins einer neuen Frauengeneration?

Wie viele andere sieht sie die Ursprünge der neuen überall publizirten Sexualität in der sexuellen Befreiungsbewegung der 1960er Jahre.

Auf dieses erfreuliche Kapitel in der Geschichte der Körperpolitik berufen sich junge Frauen heute, wenn sie ein Recht auf ihr eigenes nacktes Bild, ja auf eine selbstbestimmte weibliche Pornografie verlangen. Autorinnen wie Charlotte Roche und Claudia Gehrke sind Künstlerinnen, die mit noch ungewissem Erfolg an der weiblichen Neuerfindung einer Kunst des nackten Frauenkörpers arbeiten. Dieser schönen Regung steht allerdings eine lange und dominante männliche Verfügungsgeschichte über das nackte Frauenbild gegenüber. Sie hat die gegenwärtige Pornografisierung der modernen Gesellschaften nachhaltiger und tiefer geprägt, als die noch jungen Erschütterungen durch die sexuelle Libertinage dies vermochten. Das Bild der nackten Frau gibt es nicht erst seit der Erfindung der pornografischen Fotografie. Es dominiert die Malerei seit Langem. Die entblößte Jungfer inmitten einer Horde wohlgekleideter Herren, die sich windende nackte Frau, von starken Männerarmen entführt, oder die bleiche Schönheit, die sich auf der Bettstatt aalt, gehören zu den beliebtesten Sujets der Kunstgeschichte der letzten Jahrhunderte.

Wie aber sollen wir jungen Frauen uns einordnen? Haben wir wirklich einen freien Umgang mit Körpern und Sexualität? Oder sind wir naiv? Leben wir eine falsche Freiheit? Sind wir auf dem Rückzug, weil wir zu offen und manchmal auch gerne zu freizügig sind? Kann mich jemand überhaupt als freizügig bezeichnen, wenn ich es selbst nicht so empfinde? Wir wollen wir uns selbst sehen? Wie wollen wir gesehen werden? Ist dieser Konflikt denn wirklich zu lösen – oder haben wir gar keinen Konflikt?

Frauen in der Politik


via http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/die_piraten_erweitern_ihr_parteiprogramm_1.13510860.htmlIn ihrem Blog bereichtet Marina Weisband, Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland über ihre Rolle als Politikerin in den Medien. Das Problem ist dabei vor allem die Art der Berichterstattung: Statt über Themen und politische Inhalte zu berichten, bestimmen Darstellungen über ihr Äußeres das mediale Bild der Piratin.

Meine Medienpräsenz besteht zu 80% aus Fotos, Kommentaren über meine Frisur, meine Kleidung, meine Hobbies, meine Art. Hach, wie hübsch und hach, wie erfrischend, heißt es da immer.

Das Problem ist bekannt. Auch in den Darstellungen zu Sahra Wagenknecht, Agnes Krumwiede oder Dorothee Bär dominieren Schilderungen über Äußerlichkeiten und Privates, statt sich der Politik zu widmen. Vielmehr unterstellt man Frauen, dass ihre politische Karriere mit ihrem Äußeren zusammenhängt. Frauen in Führungspositionen innerhalb der Politik sind ja generell eher eine Phänomen unserer Zeit. Leider muss man feststellen, dass Frauen im Bundestag lange Zeit eher als Beischmuck galten. Elisabeth Wagner fasst im Tagesspiegel zusammen:

Die Frau in der deutschen Politik war eine Fremde. Um Unauffälligkeit bemüht, zurückgenommen, so als wollte sie sich keinen Ärger zuziehen, kein böses oder strafendes Wort. Einsamer ist sie gewesen, um vieles älter als ihr männlicher Kollege. Durchaus gebildeter. Im Datenhandbuch des Deutschen Bundestages liest sich das in Form von Statistiken und reicht bis weit in die 80er Jahre hinein. Bundesdeutsche Politikerinnen haben weniger Kinder als ihre Kollegen, sie sind seltener verheiratet, dafür häufiger verwitwet oder geschieden, sie haben überdurchschnittlich oft das Abitur. Die Vatertöchter sollen es sein, die es ins Politische zieht, Frauen aus traditionellem Elternhaus, die besser daran tun, keine Hosen zu tragen.

Die neuen politischen Frauen sind immer noch damit zugange ihre Rolle in den Parlamenten und insbesondere in den Medien zu finden. Hilfreich ist, wenn sie – wie Marina Weisband eben jene Rolle reflektieren und kommunizieren.

Riot Grrrls 2011


 

Wild Flag ist die erste Riot-Grrrl-Supergroup. Sie besteht aus Carrie Brownstein (Sleater-Kinney), Mary Timony (Helium, Autoclave), Rebecca Cole (The Minders) und Janet Weiss (Sleater-Kinney) und debütierte mit dem gleichnamigen Album Wild Flag. Die Songs lassen zwar noch einige Erinnerung an die Riot Grrrls der 90er mitschwingen, insgesammt aber liefen sie einen neuen frischen Sound. Auf alle Fälle: Hörenswert!

 

The perfect Vagina


Schon vor einiger Zeit bin ich durch Genderblog auf die Doku The perfect vagina aufmerksam geworden. Der Titel des Dokumentarfilms von Lisa Rogers und Heather Leach lässt viel erahnen, wie weit der Schönheitswahn um die Vagina aber tatsächlich geht, war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. So hinterlässt der Film bei mir immer noch viel Entsetzen – insbesondere auch über das, was in der plastischen Chirugie möglich ist und über die Frage, wieviele Ärzte diese Operationen scheinbar gedankenlos anbieten, aber auch Empathie für junge Mädchen und Frauen, die mir ihren Problemen allein gelassen werden und die anscheinend manchmal nur jemanden zum Reden bräuchten.

Es bleibt ein übler Nachgeschmack, wenn man erkennt, was die Bilder von Weiblichkeit, die uns die Medien anbieten, in unseren Köpfen auslösen und wie selten wir sie hinterfragen.

Betreuungsgeld


Die Regierung hat ein Betreuungsgeld ab 2013 beschlossen. Das Betreuungsgeld soll nach aktueller Diksussion 150 Euro betragen. Dieses soll allen die ‘Wahlfreiheit’ ermöglichen, also sowohl die Selbstbetreuung durch die Eltern daheim als auch die Betreuung durch Kitas oder Tagesmütter und -väter unterstützen. Bei näherer Betrachtung aber wird deutlich, dass das Betreuungsgeld eine Selbstbetreuung durch die Eltern begünstigt und damit im Endeffekt das Rollenbild von der Mutter daheim propagierd. Denn trotz Vätermonaten liegt die Hauptverantwortung für die Betreuung von Kindern weiterhin bei der Mutter.

Studien zufolge werden nur wenige Frauen wegen des Betreuungsgeldes ihre Arbeitsstelle aufgeben und im Haushalt arbeiten und sich um die Erziehung ihres Kindes kümmern. Nur sehr wenige Mütter mit kleinen Kindern werden wegen 150 Euro im Monat ihr Verhalten ändern. Es bleiben diejenigen zu Hause, die ohnehin nicht arbeiten würden. (http://www.betreuungsgeld-aktuell.de/)

Mit dem Betreuungsgeld werden einige positive Ansätze der Familienpolitik der letzten Jahre komplett zurück genommen. Selbst konserative Medien benennen es als Herdprämie und Anti-Kita-Programm. rechtundgeschlecht fasst in ihrem Gastbeitrag auf Mädchenmannschafft zusammen:

Ich halte es für verfassungswidrig, weil es eine Prämie für die Wahl eines bestimmten Rollenmodells darstellt und für sozialpolitisch kontraproduktiv, weil es armen Familien, die das Geld eigentlich besonders brauchen, nichts bringen wird. Gleichzeitig nervt es mich, dass die Opposition nun suggeriert, Familien mit geringen Einkommen würden nun verführt, ihren Kindern Fördermöglichkeiten zu nehmen, die sie dringend brauchen. „Gerade diese Familien“ so der Unterton, brauchen die Förderung in den Einrichtungen, damit die Kinder nicht abgehängt werden. Ich bin der Meinung, alle Kinder profitieren von Bildung, Erziehung und Betreuung in öffentlichen Einrichtungen, wenn diese hochwertige Angebote machen, mit genügend Personal ausgestattet sind ect.

 

Quotierungen


Nach den Grünen diskutieren nun auch SPD und LINKE über eine MigrantInnenquote in Parteigremien. Diskutiert wird dabei insbesondere die Frage der Umsetzung.
Rheinsalon fasst die Stellung innerhalb der SPD zusammen und beleuchtet auch die Kritik:

Teile der KritikerInnen stellen die Wirksamkeit einer solchen Quote in Frage. Welche Strahlkraft hat ein Migrant mit französischer Mutter in die türkische oder russische Community? Die Befürchtung bleibt, dass eine Quote als Feigenblatt die nötigen integrationspolitischen Maßnahmen sowohl innerhalb der SPD als auch in ihren politischen Forderungen überlagert. [...] Teile der Kritik kommt jedoch auch ganz praktisch daher: wie bitte schön sollen wir den Migrationshintergrund von Menschen feststellen? Sollen wir auf dem nächsten Parteitag unsere Geburtsurkunde mitbringen? Und wenn ja, was müsste da draufstehen? Ausländischer Pass, ausländischer Geburtsort, ausländische Großeltern, was macht einen Menschen zu einer/m Migrant/in?

Ähnliche Kritik findet sich auch in der LINKEN. Daneben gibt es aber außerdem die generelle Debatte um Quotierung. Vor allem in kleineren politischen Gremien wie Kreisvorständen kann die Frauenquote bisher kaum umgesetzt werden, da erstens parteipolitische Organisationen generell weniger weibliche Mitglieder als männliche haben, zweitens die weiblichen Mitglieder weniger stark und andauernd am parteipolitischen Leben partizipieren (geschuldet ist dies neben der typischen weiblichen Doppelbelastung durch Familie und Beruf auch der negativen Erfahrung, die Frauen mit politischer Partizipation machen, da in vielen politischen Gruppen – egal ob offene oder parteipolitische Gruppe – die Erfahrung von latentem und manifestem Sexismus präsent ist. Gezeigt hat dies auch wieder die Diskussion um das Anti-Man(n)ifest zur Vernichtung der Freiräume und die Diskussion darüber. Auch ich als ehemaliges Mitglied eines linken Kreisvorstandes teile diese Meinung.). Als Folge werden Quotierungen als Hindernis in der politischen Arbeit gesehen, da ihre Erfüllung Mühe macht: In der Mitgliederwerbung und -betreuung müssen weibliche Mitglieder besonders berücksichtigt werden, vor Gremienwahlen müssen weibliche Mitglieder geradezu rekrutiert werden. Dass eine aktive Frauenarbeit mit gemeinsamen Plenen und Veranstaltung diese Probleme auf nur einen Streich lösen kann, wird nicht in Erwägung gezogen. Stattdessen werden Quotierungen übergangen, insofern dies als Möglichkeit in der Satzung vorgesehen ist oder Frauenplätze bleiben einfach unbesetzt.

Wenn man sich also Gedanken über eine MigrantInnenquote macht, sollte man sich die Erfahrungen mit der Frauenquote ansehen und Konsequenzen ableiten. Beispielsweise eine konsequente Umsetzung fordern und Schlupflöchern, wie es sie im Moment noch bei der Frauenquote gibt, nicht zu lassen. Wenn ein Kreisverband eine Frauen- und/oder MigrantInnenquote nicht erfüllen kann, liegt dies selten daran, dass jener – wie es dann oft dargestellt wird – in Frauen- und MigrantInnen-armen Gebieten liege. Vielmehr ist die Form der politischen Beteiligung wie sie dort geboten wird für diese Gruppen uninteressant. Diese Problematik ist sowohl in der LINKEN, als auch in der SPD, bei den Grünen sowie in der CDU präsent. Auch stellt Rheinsalon fest:

Viele Gruppen werden von der SPD nicht in ausreichendem Maße repräsentiert. Arbeitnehmer beispielsweise oder junge Familien kommen in unseren Reihen und unseren Gremien viel zu selten vor. Bei Menschen mit Migrationshintergrund ist das ebenfalls der Fall.

Die Frage aber bleibt, wie können Minderheiten politisch repräsentiert werden und sich selbst präsentieren. Denn im Gegensatz zu Frauen bleiben MigrantInnen eine Minderheit in Deutschland. Daher bleibt es illusorisch eine MigrantInnenquote nach dem Vorbild der Frauenquote (mit der üblichen 50:50-Quote) zu fordern, da diese nicht erfüllt werden könnte. Aber wie geht man dann mit anderen ähnlichen Gruppen um, wie ermöglicht man Senioren, HartzIV-Beziehern eine Beteiligung am parteipolitischen Prozessen und Entscheidungen.